Die Donau ist mein Meer

Die Donau ist mein Meer

Svetlana Mojic ist Innenarchitektin in Novi Sad, Serbien, und entwirft Yachten und andere Räume zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Sie eröffnete ihr „Salt & Water Designstudio“ im Jahr 2011 als Einzelunternehmerin. Seitdem widmet sie sich ihrem Geschäft und hat heute ein Team von fünf Mitarbeitern. dc: Svetlana, wie kamen Sie zum Beruf

Svetlana Mojic ist Innenarchitektin in Novi Sad, Serbien, und entwirft Yachten und andere Räume zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Sie eröffnete ihr „Salt & Water Designstudio“ im Jahr 2011 als Einzelunternehmerin. Seitdem widmet sie sich ihrem Geschäft und hat heute ein Team von fünf Mitarbeitern.

dc: Svetlana, wie kamen Sie zum Beruf einer Yachten-Designerin?
Svetlana Mojić: Ich gestalte Räume – zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Unser Leben vergeht immer schneller und es scheint mir wichtig, das Beste daraus zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass der Raum, in dem wir uns befinden, unser Unterbewusstsein beeinflusst, sodass wir uns besser fühlen können. Ich habe über ein Jahrzehnt im serbischen Segelkader verbracht, das ist auch der Grund, warum ich mich Wasser so verbunden fühle und woher meine Liebe zum Yachtdesign kommt. So viel Zeit am und im Wasser zu verbringen, hat mich dazu gebracht, Menschen zu bewundern, die Boote haben. Sie wissen wirklich, wie man sich im Alltag an der Natur erfreut. Ich habe Architektur studiert und dabei versucht, meinen eigenen Weg zu gehen. Es sieht wohl so aus, als hätte ich ihn gefunden! Mein Hauptinteresse ist es, Yachten zu gestalten, oder auch andere schwebende oder schwimmende Objekte für Seen, Flüsse und Kanäle, die oft noch unberührte Regionen darstellen mit großem Erholungspotenzial. Heutzutage haben die meisten von uns kaum Gelegenheit wochenlang Urlaub zu machen und nehmen stattdessen öfters einige Tage im Jahr Auszeit. Dafür können Binnengewässer ganz speziell wertvoll sein – Design und Struktur, nahe unserer Heimat, können unsere Lebensakkus wieder auffüllen und einen besonderen Zauber versprühen, Stress reduzieren und unser Immunsystem stärken.

Design folgt Funktion – was bedeutet das für Sie und wo bekommen Sie Ihre Inspirationen?
Beschränkungen und Vorgaben machen unsere Arbeit schwierig. Aber sie geben uns auch Gelegenheit, Antworten zu finden und damit großartiges Design zu ermöglichen. Heutzutage können sich alle ganz einfach durch Instagram, Pinterest usw. inspirieren lassen. Aber das Problem ist, wenn etwas gut auf einem Bild oder Foto aussieht, heißt das noch lange nicht, dass es die richtige Antwort für dich und deine Umgebung ist. Ich suche immer zuerst nach dem genius loci (den spirituellen Geist eines Ortes) und auch nach der Geometrie. Nachdem wir sorgfältig die grundlegende Funktion definiert haben, fangen wir an, über das Aussehen nachzudenken. Das lernen alle Segler in einem Sturm: Während des Sturms macht sich jede und jeder nur Sorgen, ob etwas funktioniert und ob es sachgemäß bedient werden kann. Danach reden wir über die Ästhetik.
Inspiration hängt immer vom Projekt ab, aber sie kann überall auftauchen. Ich bekomme eine Menge an Ideen, wenn ich mich frei fühle, normalerweise eben nahe am Wasser.
Aber Inspiration zu finden ist nicht immer leicht in einem Unternehmen. Es gibt auch so viel anderes zu tun. Ich teile meine Zeit zu den unterschiedlichen Themen ein und reserviere Zeit für meine kreative Arbeit.

Sie sind Mitglied in einem Netzwerk für selbständige Frauen. Verhilft das zu mehr oder besseren Kontakten?
Es ist immer einfacher jemanden zu kennen, die oder der schon einmal in einer ähnlichen Situation wie du war und das ‚überlebt’ hat. UPZ (Udruzenje Poslovnih Zena Srbije) hat mir enorm dabei geholfen, mein Geschäft und meine Karriere weiter zu entwickeln, auch großartige Freundschaften im ganzen Land haben mich unterstützt.

Im Buch „Danube Women Stories“ werden Sie als moderne Persönlichkeit in Novi Sad vorgestellt. Sollten Frauen mehr ‚vor den Vorhang’ geholt werden?
Es gibt großartige Geschichten über Frauen in unserer Umgebung. Aber viele Menschen wissen nichts darüber. Obwohl es besser geworden ist in den letzten Jahren, ist das vor allem für Mädchen wichtig. Wir müssen sie auf das Leben als Frauen vorbereiten und sicherstellen, dass sie sich Buben und Männern gegenüber gleichwertig fühlen. Veranstaltungen wie ‚Inspiration Girls’ oder ‚Girls Day’ sind wichtige Maßnahmen und ich bin stolz darauf, mich daran beteiligen zu können.

Wo haben Sie Design studiert?
Ich habe mein Architekturstudium an der Technischen Fakultät in Novi Sad abgeschlossen und dann die Spezialausbildung für Yachtdesign und Konstruktion am Europäischen Design Institut in Venedig absolviert.

Wie groß ist Ihr Team und welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Wir sind ein Team aus fünf Frauen. Jede hat ihre eigene Spezialisierung und deshalb arbeiten wir großartig zusammen. Ich habe eine Fülle an Ideen, wie wir Menschen helfen können ihr Leben zu verbessern und sich an der Natur zu erfreuen. Ich hoffe, wir werden Gelegenheit haben, einiges davon zu verwirklichen.

Haben Sie in der Donauregion auch internationale Partnerschaften?
Noch nicht, aber ich würde mich über solche Kooperationen in der Zukunft freuen. In Serbien gibt es ein bekanntes Lied: ‚Die Donau ist mein Meer, nur eben nicht salzig.’ Und definitiv hatte die Donau großen Einfluss auf mein Leben und meine Familie.

Wie sieht Ihr Tagesablauf üblicherweise aus?
Normalerweise teile ich meine Tage nach Aufgaben ein, aber da ich gerade schwanger bin, habe ich einige Aktivitäten fallen gelassen. Es gibt auch Tage, an denen ich nicht im Büro bin, zumin-
dest einmal pro Woche, um mögliche Kunden zu besuchen, Baustellen oder Kooperationspartner. Das kann manchmal den ganzen Tag dauern. Letzte Woche war ich in Kroatien auf einer Schiffswerft. Dort wird gerade eine 49 Meter lange Yacht gebaut, für die ich mit meinem Team das Innendesign gestaltet habe. In der Woche davor bin ich nach Belgrad gefahren zu einem Finanzmanagementkurs speziell für Unternehmerinnen. In dieser Woche will ich ein neues Baugelände am Fruška Gora-Nationalpark besuchen und an einem Abend werde ich am Jahrestreffen der Unternehmerinnen-Vereinigung in Belgrad teilnehmen. Wenn ich nicht schwanger bin, fahre ich gerne jeden Tag mit dem Rad und gehe zweimal pro Woche zum Yoga. Ich freue mich schon darauf, damit weiterzumachen, wenn mein Baby geboren ist!

Das Interview
führte Sabine Geller

 

Noch mehr Stories erfolgreicher Frauen in der Donauregion finden sich in dem Buch DANUBE WOMEN STORIES, gefördert wird das Projekt von der Baden-Württemberg Stiftung im Programm „Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft“. Fortsetzung folgt in einer Neuauflage Mitte 2020 mit weiteren Stories aus noch mehr Städten.
www.women.danube-stories.eu

 

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