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Ausgabe 02/2009
Wien und Bratislava punkten als TwinCity

Zwillinge entstehen


Seit der EU-Osterweiterung am 1. Mai 2004 kooperiert Österreich noch enger mit seinen mitteleuropäischen Nachbarn als zuvor. Wien und Bratislava, historisch ohnehin sehr eng verbunden, bündeln als „Twin City“ ihre Kräfte. Damit wollen sie auch als Wirtschaftsstandort im vereinten Europa punkten. „Twin City“ präsentiert sich zugleich als Herzstück der jungen Europaregion Mitte.

Bratislava Bruecke
Blick auf die Neue Brücke in Bratislava

Geschichte wiederholt sich nicht. Dem, was einmal war, kann aber in moderner Form neues Leben eingehaucht werden. Ein solcher Prozess ist derzeit mitten in Europa zu beoachten, wo sich Wien und Bratislava einander rasant (wieder) annähern.
Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrte zwischen Wien und Bratislava eine Straßenbahn. Vor allem sonntags tummelten sich im Herzen von Pressburg, so der bis heute gebräuchliche deutsche Name der slowakischen Hauptstadt, unzählige Wiener. Daran erinnern nur noch die Gleise, die am rechten Donauufer in Bratislava gewissermaßen im Nirgendwo enden. Die Kommunisten, die ab 1948 in der Tschechoslowakei das Sagen hatten, ließen die Bahnstrecke verrotten. Nichts sollte mehr an die früheren engen Beziehungen gen Westen erinnern. Deshalb konnten die Bewohner des am rechten Donauufer gelegenen Petržalka, der größten Plattenbausiedlung des früheren Ostblocks, aus ihren Fenstern ursprünglich nur in Richtung Bratislavaer Innenstadt und nicht auf die viel nähere österreichische Gemeinde Kittsee schauen. Solche Bemühungen erledigten sich freilich mit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Und nachdem sie sich am 1. Januar 1993 friedlich von den Tschechen getrennt hatten, besonnen sich die Slowaken erst recht auf ihre einstige Nähe zu Österreich. Spätestens seit dem Beitritt der Slowakei zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 wird es immer wichtiger, dass die beiden Hauptstädte Bratislava und Wien nicht einmal 60 Kilometer voneinander entfernt sind.

So nah wie Zwillinge


Eigentlich liegt es auf der Hand, die vorhandenen Kräfte zu bündeln. Das ist zumindest der Grundgedanke des Marketing- und Entwicklungskonzepts “Twin City Wien-Bratislava“, das ursprünglich von der Industriellenvereinigung Wien stammt. Danach sollen sich die Menschen in beiden Städten, die heute kaum mehr etwas voneinander wissen, im Laufe der Zeit so gut kennenlernen, dass sie sich einmal so nahe wie Zwillinge sein werden. Das inzwischen zur Hauptstadt avancierte Bratislava von heute ist dabei gleichberechtigter Partner von Wien, während das Pressburg von einst zumindest für die Wiener eher ein „Vorort“ war.

Sichtbarster Ausdruck des Zusammenwachsens beider Städte ist der Twin City Liner. Dabei handelt es sich um einen Katamaran, der die Fahrt zwischen Wien und Bratislava in 70 Minuten schafft. Das erste Schiff nahm im Jahr 2006 den Betrieb auf, voriges Jahr kam ein weiteres hinzu.
Es gibt Überlegungen, noch einen dritten Katamaran einzusetzen, dann könnte die Verbindung sogar nach Budapest oder Belgrad ausgeweitet werden. Georg Karp, Chefredakteur des auf dem Schiff ausliegenden Magazins „twincity“, bringt es auf den Punkt, woran es beim Zusammenwachsen noch hapert: „Das Interesse der Wiener an Bratislava ist gerade in einer Aufwachphase und es wird noch einige Jahre dauern, bis wir unsere kleinere Zwillingsstadt ins Herz geschlossen haben. Das Interesse der Slowaken an Wien ist größer. In unserem Magazin vermitteln wir Hintergrundinformationen, die zum besseren Verständnis und somit auch zur besseren Kommunikation beitragen sollen.“


Centrope setzt Zeichen

Die Twin City Wien – Bratislava ist zugleich das Herzstück von Centrope, der Europaregion Mitte. Im Jahr 2003 unterzeichneten die politischen Entscheidungsträger im Centrope-Raum eine Erklärung, in der sie ihren Willen zur Gründung der Region zum Ausdruck brachten. Vor einiger Zeit verständigten sie sich auf ein „Zukunftsbild 2015“ mit verbindlichen Zielvorgaben.
Centrope umfasst die österreichischen Bundesländer Niederösterreich, Burgenland und Wien, die westslowakischen Bezirke Bratislava und Trnava, das tschechische Südmähren und das westungarische Komitat Györ-Moson-Sopron. In der Region leben und arbeiten rund sechseinhalb Millionen Menschen. Zusammenarbeiten sollen Gebietskörperschaften, Unternehmen und gesellschaftliche Einrichtungen, und das in den Bereichen Arbeitsmarkt, Wissenschaft und Forschung, Kultur, Umweltschutz, Regionalentwicklung und Verkehr, Wirtschaft, Investorenanwerbung,

Politik und Verwaltung sowie Standortmarketing. Dabei ist für Wiens Bürgermeister Michael Häupl ganz wesentlich, dass Centrope „eine Fülle von Möglichkeiten für die Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet“.

Der Euro ermutigt Unternehmer

Die zentrale Stellung der Twin City und darüber hinaus die enge Kooperation der österreichischen und slowakischen Grenzregionen im Rahmen von Centrope wird dadurch untermauert, dass in der Slowakei zum 1. Januar 2009 der Euro eingeführt wurde und nunmehr in zwei von vier an Centrope beteiligten Ländern die europäische Gemeinschaftswährung gesetzliches Zahlungsmittel ist. Welch gewichtiges Argument der Euro für Investments von Österreichern in der Slowakei ist, geht auch aus einer im Februar und März gemeinsam von den Auslandshandelskammern Deutschlands, Österreichs und Frankreichs durchgeführten Stimmungsumfrage unter 130 Investoren hervor.

Danach würden 95 Prozent aller österreichischen Unternehmer wieder in der Slowakei tätig werden, und das vor allem wegen des Euro.

Wien und Bratislava sowie das Komitat Györ-Moson-Sopron sind unter den an der Donau gelegenen Centrope-Teilregionen wirtschaftlich am erfolgreichsten. Wien als Sitz zahlreicher Wirtschaftsdienstleister, Banken, Versicherungen sowie internationaler Organisationen und Konzerne weist sogar das höchste Bruttoregionalprodukt auf. Die Westslowakei wiederum ist ein wichtiges Zentrum für die Branchen Biotechnologie und Automotive. Gut ausgebildete Arbeitskräfte und umfangreiche Fremdinvestitionen, aufgrund derer der Pannonische Automotive Cluster entstanden ist, haben das Komitat
Györ-Moson-Sopron zur wichtigsten Wirtschaftsregion in Ungarn nach der Hauptstadt Budapest werden lassen.

Konkurrenz bei Projekten


Bei allem Willen zum Zusammenwachsen machen sich Wien und Bratislava bei einigen entscheidenden Projekten deutliche Konkurrenz. Die Übernahme des Flughafens in Bratislava durch ein Konsortium um den Flughafen Wien-Schwechat scheiterte, weil die slowakische Regierung sogenannte strategische Unternehmen wie eben den Airport nicht privatisieren will. Und ob der sogenannte Winterhafen in Bratislava tatsächlich einmal zu einem Logistikzentrum ausgebaut wird, hängt davon ab, ob die russische Breitspurbahn wie geplant durch die Slowakei bis nach Wien verlängert wird.

Karin Bachmann. Die Autorin arbeitet
als Publizistin und Übersetzerin in
Bratislava und Budapest.

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twin city liner
Der Twin City Liner verbindet Bratislava und Wien in 70 Minuten.

 
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