| | Ausgabe 02/2009
Innen und außen tobt Krieg
Eine Braut verliert ihren Bräutigam auf der Hochzeitsfeier – ein grausames Szenario. In dem Roman der kroatischen Autorin Ivana Sajko „Rio Bar“ zerstört ein plötzlicher Granatenangriff die Hochzeitsfeierlichkeiten einer Frau. Übrig bleiben zerfetzte Leiber und die Frau in ihrem maßlosen Entsetzen. Sie sucht ihren Mann, der nach dem Angriff verschwunden ist, wartet verzweifelt auf ihn und versucht weiterzuleben.
Der Autor Peter Zwey hat das Antikriegsstück „Rio Bar“ im Rahmen der Europäischen Donau-Akademie inszeniert. Es ist ohne Zeigefinger geformt, ohne Anklage, ohne politischen Hintersinn. Den Schrecken selbst und seine Nachwirkung bringt Zwey auf die Bühne, dargestellt durch eine namenlosen Frau, die Opfer wird und sich in dieser Rolle nicht zurechtfindet.
 Susanne Maier - Schauspielerin Peter Zwey - Regie · Kristina Böcher - Bühnenbild Friedrich Glorian - Klangbilder
dc: „Rio Bar“ ist ein Theaterstück, das sich eindringlich mit dem Thema „Frau und Krieg“ auseinandersetzt. Es berührt den Zuschauer durch seine Intensität und geht unter die Haut. Wie sind die Reaktionen?
PZ: Die Reaktionen zeigen genau das, was Sie in ihrer Frage schon feststellen. Die Zuschauer, besonders die Frauen, sind ergriffen, fühlen mit, verstehen den Krieg als eine überall vorherrschende Situation und Gefahr, bei der die Frauen oft am meisten zu leiden haben. Das Stück zeigt ja eine Frau, der der Krieg an ihrer Hochzeit ihren Mann wegriss. Sie weiß nicht, ob er noch lebt, ob er verletzt oder gefangen ist. Sie weiß nicht, wie sie weiterleben soll in dieser Ungewissheit. Die meisten männlichen Zuschauer wehren das erschrockene Gefühl, das das Stück hervorruft, eher ab. Sie sprechen mehr von der Leistung der Schauspielerin, des Regisseurs, der Autorin.
dc: Warum haben Sie sich für den Roman von Ivana Sajko entschieden, ihn als Theaterstück zu inszenieren?
PZ: Weil ich erkannte, dass in dem Roman ein Drama steckt, eine dramatische Situation, die auf der Bühne mehr Wirkung und Aufmerksamkeit erhalten kann, als in dem Roman. Das sagte ich Ivana Sajko, als sie beim Donaufest 2008 im Haus der Donau war.
dc: Ist es üblich, ein Theaterstück aus einem Roman heraus zu entwickeln? Was waren dabei die größten Herausforderungen?
PZ: Nein, es ist nicht üblich, wird aber in letzter Zeit häufiger probiert. Oft zu Unrecht, finde ich. Die größte Herausforderung war für mich, den Text zu entflechten und auseinanderzuhalten. Denn es liegen oft drei Schichten übereinander: die Figur des Opfers, die Figur der Schauspielerin, die Täterin werden will, und die Perspektive der Autorin, die überall mitspricht.
dc: Sie führen das Theaterstück im Rahmen der Europäischen Donau-Akademie auf. Welche Ziele verfolgt die EDA im Bereich Kultur?
PZ: Austausch in jeder Beziehung. Wir hören zu und erzählen in diesem Fall auf der Bühne wieder, was uns die Autorin in ihrem Roman „Rio Bar“ erzählt hat, wir geben ein Feedback.
dc: Welche Kooperationen bestehen in diesem Bereich mit den Donauländern? Was planen Sie als nächstes?
PZ: Die EDA wurde 2008 während des Donaufestes gegründet. Dies ist das erste Theaterprojekt, neue Projekte in der Musik, der Literatur und der Wissenschaft werden folgen. Jetzt versuchen wir, das Stück in Zagreb und an anderen Orten entlang der Donau zu spielen, mit dem Projekt zu wandern.
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