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Ausgabe 02/2009

Wein statt Wasser

Wer an Serbien denkt, verbindet damit nicht unbedingt Gedanken an Wein – zu unrecht. Das Land blickt auf eine lange, traditionsreiche Weingeschichte zurück, wozu auch die Donau ihren Beitrag leistete. Heute spielt der Wein-Tourismus im Donaugebiet eine immer größere Rolle.

„Als ich vor rund zwei Jahren das erste Mal nach Negotin kam, hatte ich den Eindruck, dass hier nichts Besonderes los ist“, berichtet Armin Wagner, Experte für Regionalentwicklung. Schon bald sollte sich das ändern. Die Lokalverwaltung lud ihn ein, das nahe gelegene Weinbaugebiet Rajac zu besuchen. „Als wir losfuhren, wurde es bereits dunkel, die Straßen immer schlechter und schmaler. Als wir ankamen, konnte ich nur noch Schatten von kleinen Gebäuden erkennen. Ein mystischer Ort, den die Zivilisation anscheinend vergessen hat“, schildert Wagner seine ersten Eindrücke.

Die Orte Rajac, Rogljevo und Smedovac sind einzigartig, nicht nur in der Weinregion Timok, sondern europaweit. In Rajac und Rogljevo findet der Besucher ein Ensemble von rund 300 Weinhäusern im altertümlichen Baustil, den sogenannten Pivnice, in denen ausschließlich Wein hergestellt und gelagert wird. Auch heute werden sie dafür noch genutzt. Die Weinbauern errichteten die Pivnice außerhalb der Ortschaften, damit der Wein keine anderen Düfte absorbiert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bauten sie die Keller aus Stein, die sie ein wenig in die Erde eingruben.

Weinhaus Rajac
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Die traditionellen Weinhäuser in Rajac, Rogljevo
und Smedovac sind einzigartig in Europa.


Organisationen wie die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) und United Nations Development Programme (UNDP) arbeiten zusammen, um den Wein-Tourismus in dieser Region zu entwickeln, was nicht einfach ist. „Bisher unterstützen die Lokalbehörden unsere Initiativen wenig. Das liegt hauptsächlich an den nicht vorhandenen finanziellen Mitteln“, beschreibt Wagner die Situation. Besserung sei in Sicht, so Wagner, der dafür mit der Expertin für ländliche Entwicklung, Suzana Djordjevic-Milosevic, in Kontakt steht.

Ideale Bedingungen an der Donau
Die Weinbauregion Timok profitiert von dem besonderen Mikroklima, das durch die Donau bedingt ist. „Der Wein hat eine einzigartige Würze und Vollmundigkeit“, bestätigt Wagner und fügt hinzu: „Über die Region wird gesagt, dass dort zwei Sonnen scheinen: eine am Himmel und eine aus der Donau, die die Sonnenstrahlen widerspiegelt, wodurch der Wein noch besser wird.“

Schon die Römer wussten die ideale Lage an der Donau zu nutzen und bauten hier Wein an, wie Ausgrabungen beweisen. Welch wichtige Bedeutung der Weinbau in Negotin im 16. Jahrhundert hatte, zeigen die Schriftstücke über die Weinherstellung aus dem Jahr 1530. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Weinregion Timok ihre Blüte. Die Reblaus hatte die europäischen Weinberge heimgesucht und die Ernten zerstört, woraufhin der Weinexport nach Europa drastisch stieg. „Sogar berühmte französische Weinkellereien orderten serbischen Wein. Für einen Weinkübel, rund 50 Liter, zahlten sie ein Goldstück“, weiß Wagner. 1885 lieferten die Weinbauern aus der Region fast eineinhalb Millionen Liter Wein nach Frankreich und in die Schweiz. Deutschland, Österreich, Russland, Ungarn und Rumänien zählten ebenfalls zu ihren Kunden.

„Zukünftig sollten die Weinliebhaber als Touristen in diese Gegend kommen, um die einzigartige Gegend und den Wein zu genießen“, sagt Wagner und lacht. Er weiß jetzt, dass hier doch etwas Besonderes los ist.

Andrea Toll, danube connects
Fotos: Dragoslav Ilić
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