| | Ausgabe 02/2009
Verein Funkforum verbindet deutsche Minderheiten aus drei Ländern
„Wir sprechen Ihre Sprache“
Südosteuropa, vor allem der Balkan, sorgte seit der Wende immer wieder für schlimme Schlagzeilen. Nicht zuletzt waren es ethnische Spannungen, die sich in blutigen Kriegen manifestierten. Der internationale Verein Funkforum setzt ein deutliches Zeichen dagegen und zeigt, dass Minderheiten auch integrierend und somit friedenstiftend wirken können.
Wer im Karpatenbecken unterwegs ist, das Radio einschaltet und dann Deutschsprachiges vernimmt, ist vermutlich auf ein Mitglied des Funkforums gestoßen. Ganz gleich, ob die Station aus Temeswar, Bukarest, Fünfkirchen, Neumarkt oder Subotica sendet, ob die Hörer sich in Ungarn, Serbien oder Rumänien befinden: Die Redaktionen des Funkforums „sprechen Ihre Sprache“, wie es im Slogan des Vereins heißt. In diesem Jahr feiert das Kind seinen achten Geburtstag – und man kann sagen, dass es mittlerweile flügge geworden ist.
Voneinander erfahren – übereinander informieren
Angefangen hatte alles 2001 mit der Idee des für Rumänien zuständigen Koordinators vom Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). Peter Kratzer lud kurzerhand alles, was in seiner Region und darüber hinaus in deutscher Sprache funkte, zu einem Treffen nach Temeswar ein. Schnell wurde klar, dass ungeachtet unterschiedlicher Situationen vor Ort alle eine wichtige Frage beschäftigte: Wie können wir unser deutschsprachiges Publikum am besten und effektivsten erreichen?
Mit dieser Frage im Hinterkopf ging es an die kritische Analyse der aktuellen Lage bei den überwiegend öffentlich-rechtlichen Sendern. Dabei wurde neben Defiziten in den Bereichen Technik und journalistisches Handwerk vor allem die bisher fehlende Zusammenarbeit als großes Manko benannt. Die deutschsprachigen Minderheiten in den einzelnen Ländern wussten bis zu diesem Zeitpunkt meistens nichts oder nur sehr wenig vom Nachbarn jenseits der Grenzen. Hier galt es anzusetzen.
Ein Baby wird geboren: das Pausenradio
In den kommenden Monaten und Jahren formierte sich der Verein Funkforum zunächst mit dem Ziel, Kräfte zu bündeln, mit Hilfe von Medientrainern das journalistische Niveau zu heben sowie durch den Austausch von Beiträgen grenzüberschreitend zu kooperieren. Mittlerweile ist es Alltag, wenn etwa Radio Fünfkirchen einen Beitrag der Redaktion von Radio Neumarkt ausstrahlt. Monatlich wird ein einstündiges Magazinprogramm gestaltet – eine Sendung von allen für alle.
Und die Erfolgsgeschichte des hauptsächlich vom Auswärtigen Amt in Berlin und vom ifa geförderten Vorhabens geht weiter: Seit 2004 koordiniert das Funkforum das Projekt Pausenradio. Hierbei werden Sendungen an deutschsprachigen Schulen in Rumänien und Ungarn technisch unterstützt sowie Schüler in Kursen mit der Arbeit als Reporter, Moderator oder Techniker vertraut gemacht. Damit sorgt das Funkforum nicht zuletzt für Nachwuchs.
Ende Mai wurde erstmals zu Medientagen in die Hauptstadt des Banat geladen. In den vergangenen vier Jahren hatten sich ausschließlich die Radiomacher getroffen, dieses Mal waren in Temeswar auch deutschsprachige Printmedien mit von der Partie, nach dem Motto: „Nur gemeinsam sind wir stark – sprich – können wir überleben.“
Frank Fischer, Chef vom Dienst bei der deutschsprachigen Budapester Wochenzeitung „Pester Lloyd“, Gründungsmitglied des Funkforums
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