Das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm als gemeinnützige GmbH der beiden Städte versteht sich als kommunaler Motor der Zusammenarbeit entlang der Donau. Das Team mit Sebastian Rihm an der Spitze wirkt als führender Partner bei EU-Projekten, als Organisator des internationalen Donaufests Ulm/Neu-Ulm und als verbindendes Element in zahlreichen Netzwerken. Sabine Geller, Gründerin und Herausgeberin von danube connects, unternimmt
Das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm als gemeinnützige GmbH der beiden Städte versteht sich als kommunaler Motor der Zusammenarbeit entlang der Donau. Das Team mit Sebastian Rihm an der Spitze wirkt als
führender Partner bei EU-Projekten, als Organisator des internationalen Donaufests Ulm/Neu-Ulm und als verbindendes Element in zahlreichen Netzwerken. Sabine Geller, Gründerin und Herausgeberin von
danube connects, unternimmt im Gespräch mit dem Donaubüro-Team eine Bestandsaufnahme der vergangenen zehn Jahre und wagt einen Ausblick in die Zukunft.
Was hat sich seither verändert bei der Arbeit im Donaubüro und wo liegen heute die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Sebastian Rihm: Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Wir haben 2015 mit einer starken Euphorie rund um die Donauraumstrategie angefangen. Aber die großen Krisen und Themen sind auch nicht am Donauraum und an uns vorbeigegangen: die Migrationskrise, die Ost-West Thematik, wie wichtig es ist, dass Europa sich zusammenfindet, dass wir im guten Austausch sein müssen. Das hat mehr Ernsthaftigkeit in die Themen gebracht. Hinzu kamen Corona und der Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das schlägt sich auch auf unsere Arbeit nieder. Für das Donaubüro hat sich in den letzten zehn Jahren viel entwickelt in Richtung Professionalisierung und in der Organisationsstruktur. Wir sind auch gewachsen im Team. Es sind jetzt elf Mitarbeitende, die meisten in Teilzeit. Es freut mich, dass unsere Arbeit von den Doppelstädten Ulm/Neu-Ulm und ihren politischen Gremien getragen wird. Mit unseren Projektschwerpunkten ziehen wir eine Spur entlang der Themen nachhaltige Mobilität, Umwelt, Bildung, Gesellschaft.
Sie sind Partner in unterschiedlichen europäischen Projekten im Donauraum. Was sind die Ziele des Interreg Projektes ‚Active to Public Transport’ und was passiert da im Augenblick? Wo liegt der Nutzen dieses Projektes für die Bevölkerung?
Simone Burster: Wir sind einer der elf Partner und 2024 damit gestartet. Das Projekt dreht sich um Mobilität. Fußgänger- und Radverkehr sollen besser mit öffentlichem Transport in Bus und Bahn verknüpft werden. Dazu haben wir jetzt die erste donauraumweite Umfrage zum Fahrradtourismus abgeschlossen. Die Ergebnisse kann man auf unserer Webseite einsehen, darüber hinaus werden sie auf unterschiedlichen Fachkonferenzen präsentiert. Es gibt Pilotaktionen im Rahmen des Projekts. So werden wir hier in Ulm eine Testphase machen. Leute aus der Bevölkerung können sich bei uns melden, um für einige Zeit von uns ein Fahrrad gestellt zu bekommen und können es für ihren Alltag und ihre Freizeit nutzen. Wir werden das begleiten und genau evaluieren. Solche Pilotaktionen werden auch in den Partnerregionen umgesetzt. So kann man voneinander lernen und Verbesserungen herleiten. An unserer Online-Umfrage sieht man, dass Fahrradtourismus einen höheren Stellenwert in Deutschland und Österreich als weiter donauabwärts hat. Aber auch dort geht es darum, mehr Informationen für Fahrradtouristen bereitzustellen, auch in englischer Sprache. Die allgemeine Zufriedenheit der Radurlauber im Donauraum ist hoch. 96 Prozent der Befragten unserer Umfrage würden erneut einen Radurlaub machen. Das hat also ein großes Potenzial.
Im Bereich Umweltbildung mit ‚Danube Guides 2’ sind Sie ebenfalls aktiv. Wofür steht dieses Projekt?
Simone Burster: Im aktuellen Fortführungs-Projekt haben wir das Netzwerk nochmal um die Republik Moldau erweitert. Wir schauen, wie wir das Netzwerk auf feste Säulen stellen und durch Erschließung neuer Fördergelder langfristig am Leben halten können. Man kann aktuell Touren buchen über die Danube Guides Webseite. Wenn man beschließt, im Sommer nach Rumänien oder Bulgarien zu reisen, kann man einen örtlichen Natur-Kultur-Guide buchen; das ist dann ein sehr authentisches Erlebnis.
Gute politische Verbindungen nach Südosteuropa und das europäische Engagement der Stadt Ulm sind Tradition in der Arbeit des Donaubüros. Wo sind Sie aktuell hier aktiv?
Sebastian Rihm: Ulm hat ja keine feste Städtepartnerschaft. Wir sind immer entlang der Donau ausgerichtet und im guten Austausch mit einem bunten Reigen an Städten, kleinen wie großen. Wir haben traditionell im Dreiländer-eck Bosnien, Serbien, Kroatien, in der Vojvodina und in Slawonien ganz enge Verflechtungen; auch zum Süden von Ungarn. Über dieses Engagement sind wir all die Jahre von Budapest eingeladen worden, Mitglied zu werden im Pakt der Freien Städte. Deshalb werden wir Anfang Februar in Tirana zu Gast sein. Dieser Verbund macht sich stark für eine offene Gesellschaft, Demokratie und ein Europa in Frieden und Freiheit. Wir wollen damit zeigen, dass die Städte nicht für sich alleine stehen. Gerade sie sind es, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt gelebt wird und Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit gefunden werden müssen.
OB Martin Ansbacher in Ulm und OB Katrin Albsteiger in Neu-Ulm planen eine Delegationsreise in die Donauregion. Welche Länder besuchen Sie und was ist inhaltlich geplant? Wer gehört der Delegation an?
Sebastian Rihm: Das ist eine Delegationsreise über vier Tage, Anfang März. Auch vom Donaubüro sind wir dabei. Besucht werden vier Länder. Es ist ein knackiges Programm mit Besuchen von Schulprojekten und Zivilgesellschaftlichen Initiativen. Es ist sehr wichtig, zu verstehen, wie die Regionen ticken und wo Gemeinsamkeiten liegen, wo wir zusammen Projekte wie zum Beispiel das der Danube Guides voranbringen können. Wir besuchen deshalb auf der Reise auch Bürgermeister, Landräte und Parlamentsvertreter.
Das Internationale Donaujugendcamp ist beim Donaufest ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten. Was läuft aktuell für das Engagement für die Jugend?
Sebastian Rihm: Neben dem Donau- Jugendcamp gab und gibt es immer wieder unterjährige Jugendbegegnungen, etwa die Jungen Donaubrücken in Wien und verschiedene andere Formate. Es waren 38 Jugendveranstaltungen zwischen 2002 bis 2024. Rund 3.750 Jugendliche haben daran teilgenommen. Unser Ansatz ist, jetzt ein gemeinsames Projekt zu definieren, mit dem Kultusministerium. Das nennt sich „Junge Donaubotschafterˮ. Das haben wir gerade in der Feinplanung und sind guter Dinge, es gemeinsam umsetzen zu können. Es wäre dann auch möglich, das Internationale Donaujugendcamp 2026 als größtes Format hier in Ulm und Neu-Ulm mit einzubeziehen. Dies bringt für Jugendliche das ganz eigene Erleben beim Donaufest: Ich muss was Positives und Emotionales mit Europa assoziieren, ein Funke muss überspringen. Sonst bleibt Europa für junge Menschen zu sehr Theorie.
Das Europe Direct Büro in Ulm wurde dem Donaubüro angeschlossen. Gibt es hier für die Europaaktivitäten eigenständige Veranstaltungen im Jahr 2025?
Kathinka Leyhr: Ja, schon im Vorfeld der Bundestagswahl sind wir mit Veranstaltungen zu Themen wie die EU oder die Sicherheitspolitik gestartet.
Ende Februar veranstalten das DBU und das Europe Direct gemeinsam mit der Stadtbücherei Neu-Ulm die Donaurallye. Hier werden Baden-Württemberg und Bayern Schulklassen der 5. und 6. Jahrgangsstufe eingeladen, die Donauregion spielerisch und interaktiv
zu erfahren. Wir sind zum Frauentag mit einer Veranstaltung dabei. Ebenso am Europaaktionstag. Vom 3. bis 11. Juli gibt es die Umweltwoche als umfangreiches Kooperationsevent. Wir sind da mit vielen Mitwirkenden breit aufgestellt. Da ist das Donaubüro einfach eine super Plattform, mit Europe Direct in unserem Team. Und noch etwas Besonderes: Wir haben dieses Jahr am 7. Juni 2025 im Ulmer Zelt ein Konzert mit der kroatischen Band „Elemental“.
Die hat schon beim Donaufest gespielt und eine große Fanbase hier in Deutschland.
Die Mahnwachen für die Ukraine und gegen den menschenverachtenden Krieg Russlands dort werden vom Donaubüro und anderen Partnern organisiert.
Können Sie damit die ukrainischen Mitbürger in Ulm unterstützen? Und wird das weiter fortgesetzt?
Sebastian Rihm: Die Mahnwachen werden vor allem von den Ukrainern wahrgenommen. Wir würden uns manchmal wünschen, dass die Resonanz
in der deutschen Bevölkerung noch etwas größer wäre. Wir werden nicht müde, das als Zeichen der Solidarität
zu begehen. Die Ukrainer sind die Überfallenen, unsere Solidarität muss ihnen gelten, und es ist wichtig, weiter ein Signal zu setzen. Unsere Städte leisten viel mit der Versorgung
der hierher Geflüchteten. Wir haben zusätzlich auch noch eine Solidaritätspartnerschaft
begründet mit einer Stadt im Südwesten der Ukraine und auch Spendengüter der Doppelstädte dorthin
geschickt.
Nach dem Donaufest ist vor dem nächsten Donaufest? Sind Sie schon in den Planungen für 2026? Können Sie dazu
schon etwas verraten?
Sebastian Rihm: Es ist alles noch topsecret.
Aber wir sind schon dran am Programm des 14. Internationalen Donaufests.
Es ist ambitioniert, von jeher schon, so ein Großformat in der heutigen Zeit durchzuführen. Die Kostensteigerungen stellen uns zunehmend
vor Herausforderungen, da müssen wir clever sein. Das gelang uns auch bisher.
Man darf sich jedenfalls wieder auf zehn tolle Tage freuen, vom 3. bis 12. Juli 2026. Bei den Inhalten darf man sich überraschen lassen. Es gibt bestimmt noch was, was wir so noch nicht hatten.
Aber die großen Dinge sind gesetzt, als Leitplanken, mit dem Festareal an den Ufern der Donau, mit dem Markt der Donauländer, mit den Außenbühnen und so weiter. Die Zivilgesellschaft hat sich ja auch ehrenamtlich beteiligt, zudem
über 50 institutionelle Kooperationspartner, sowie ein toller Reigen von Sponsoren. Sonst wäre das alles nicht
möglich.
Das Interview
führte Sabine Geller, Ulm