30 Jahre nach dem Bosnienkrieg

30 Jahre nach dem Bosnienkrieg

Am 14. Dezember 1995 wurde das Friedensabkommen von Dayton unterzeichnet. Damit wurde der Krieg in Bosnien und Herzegowina beendet. Die drei Konfliktjahre zwischen 1992 und 1995 waren besonders gewaltvoll und traumatisierend für die Zivilbevölkerung, die unter massiven Kriegsverbrechen, „ethnischen Säuberungen“, Vertreibungen und sexualisierter Kriegsgewalt gelitten hat. „Ich warte in meinem Kopf immer noch darauf, dass

Am 14. Dezember 1995 wurde das Friedensabkommen von Dayton unterzeichnet. Damit wurde der Krieg in Bosnien und Herzegowina beendet. Die drei Konfliktjahre zwischen 1992 und 1995 waren besonders gewaltvoll und traumatisierend für die Zivilbevölkerung, die unter massiven Kriegsverbrechen, „ethnischen Säuberungen“, Vertreibungen und sexualisierter Kriegsgewalt gelitten hat.

„Ich warte in meinem Kopf immer noch darauf,
dass der Krieg für mich zu Ende geht“

„Dem ganzen Land hätte man nach Kriegsende eine psychologische Thera­pie verordnen sollen“, sagte eine Mitar­beiterin einer Partnerorganisation von AMICA in Bosnien, die den Krieg im belagerten Sarajevo verbracht hat.
Zur Kriegsstrategie gehörte insbeson­dere Gewalt gegen Frauen und Mäd­chen. Es wird geschätzt, dass zwischen 20.000 und 50.000 Frauen Opfer syste­matischer sexualisierter Kriegsgewalt wurden. 30 Jahre nach Kriegsende sind ihre Wunden immer noch nicht geheilt.
„Ja, der Krieg ist vorbei, aber ich war­te in meinem Kopf immer noch darauf, dass der Krieg für mich zu Ende geht“, schrieb eine betroffene Frau in ihr Tage­buch. Wie viele andere Frauen, die den Krieg erlebt haben, hat sie bei AMICA Unterstützung und Verbundenheit ge­funden.

Wie unterstützt Amica?
Seit 1993 engagiert sich AMICA in Bos­nien und Herzegowina für Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Aus der anfänglichen humanitären Hilfe während des Kriegs entwickelte sich binnen kurzer Zeit ein Modellprojekt der psychosozialen Hilfe für traumati­sierte Frauen. Dieses Modell ist bis heu­te das Fundament der Arbeit von AMI­CA und beruht auf einem zentralen Grundsatz: Wer mehrfach benachteiligt ist, braucht Stärkung auf mehreren Ebe nen – psychologisch, medizinisch, juri­stisch und ökonomisch.

In Bosnien und Herzegowina sind viele Frauen nicht nur schwer traumatisiert. Überlebende von Kriegsgewalt sind au­ßerdem oftmals von Ausgrenzung und Armut betroffen. Besonders in länd­lichen, abgelegenen und wirtschaft­lich schwachen Regionen haben sie es schwer, ihr Leben (wieder) aufzubauen.

Mit dem aktuellen Projekt, das von der Baden-Württemberg Stiftung im Rah­men des Programms Perspektive Do­nau kofinanziert wird, möchte AMICA diese Frauen stärken. Gemeinsam mit der bosnischen Partnerorganisationen unterstützt AMICA sie ökonomisch und begleitet sie mit psychologischer und sozialer Beratung und fördert ihre Teilhabe in der Gesellschaft, damit sie eigenständig für ihre Rechte stehen können. Besonders belastend für Betrof­fene sexualisierter Kriegsgewalt sind die Gerichtsverfahren: Den Frauen, die vor Gericht gegen Täter aussagen wollen und/oder eine Entschädigung beanspruchen, hilft AMICA mit ko­stenloser Rechtsberatung und psycho­logischer Begleitung vor, während und nach dem Prozess.

Über die Jahre haben die individuellen Beratungen und Gruppenangebote von AMICA zahlreiche Frauen er­reicht, zunächst in Tuzla, inzwischen in Sarajevo, Prozor-Rama, Potoci-Vrapčići und Brčko. Daraus sind viele Selbst­hilfegruppen entstanden, die bis heu­te selbstständig arbeiten. Das jüngste Beispiel ist das Haus „Little Women’s Corner“ im Dorf Here. Dieser Ort ist ein geschützter Raum, ein Begegnungsort und eine Ideenwerkstatt für benachtei­ligte und kriegstraumatisierte Frauen aus der Gemeinde Prozor. Sie unter­stützen sich gegenseitig, machen sich gemeinsam stark für den Verkauf ihrer Produkte auf Landwirtschaftsmessen oder erlernen voneinander neue Tech­niken für ihr Kunsthandwerk. In „Little Women’s Corner“ erleben sie vor allem eine Solidarität, die wohltut und neue Perspektiven schafft. „Nur wenn wir zusammenarbeiten, können wir einen Wandel herbeiführen“, sagte eine Frau nach der Eröffnung des Landfrauen­treffs. Genau dieser Gedanke gehört zum Grundsatz von AMICA.

Ein Beitrag von AMICA

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