Ein Pilotprogramm zur Stärkung von life skills bei benachteiligten Jugendlichen in Bosnien-Herzegowina Pharos e.V. Stuttgart und seine Partnerorganisation in Bosnien-Herzegowina, der Verein Faros, haben zwischen August 2022 und April 2023 mit rund 40 Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien gearbeitet – viele von ihnen gehören der Minderheit der Roma an. Das Projekt wurde im Rahmen des
Ein Pilotprogramm zur Stärkung von life skills bei benachteiligten Jugendlichen in Bosnien-Herzegowina
Pharos e.V. Stuttgart und seine Partnerorganisation in Bosnien-Herzegowina, der Verein Faros, haben zwischen August 2022 und April 2023 mit rund 40 Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien gearbeitet – viele von ihnen gehören der Minderheit der Roma an. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms Perspektive Donau der Baden-Württemberg Stiftung sowie mit Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt.
Ziel war es, die Resilienz der Teilnehmenden zu stärken und wichtige Lebenskompetenzen zu fördern. Ergänzend zu vier Wochenend-Workshops erhielten sie individuelle Unterstützung durch vier persönliche Coachinggespräche sowie ein monatliches Stipendium. Alle Teilnehmenden sind Schülerinnen und Schüler berufsbildender
Schulen. Ingrid Halbritter, Projektkoordinatorin bei Pharos e.V. Stuttgart berichtet: Was hat sich bei den Jugendlichen durch das Bildungsangebot verändert?
Die pädagogische Fakultät der Universität in Zenica hat das Programm evaluiert. Die Auswertung ergibt, dass die Jugendlichen in Bezug auf Selbstwahrnehmung und soziale Fähigkeiten Fortschritte gemacht haben und somit die Projektziele erreicht wurden. Die dokumentierten Aussagen aus den Interviews sind motivierend: „Ich habe gelernt, etwas Nützliches aus meinem Leben zu machen“, „Ich kann mich mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen verbinden und kommuniziere besser“, „Ich habe mehr Selbstvertrauen (…)“, „Ich kann jetzt vor einer Gruppe angstfrei sprechen“. Dies ist eine kleine Auswahl von etwa hundert Aussagen, diealle in diese Richtung gehen.
Und wie sind Ihre persönlichen Eindrücke gewesen?
Wir – vier Teamerinnen – sind in diesen Monaten 40 jungen Menschen, 40 Universen nähergekommen. In den Sternstunden waren wir berührt, wie einige von ihnen plötzlich ihre Schutzpanzer ablegten und ihren Schmerz und Frust mit uns teilen konnten. Einzelne, die aus besonders schwierigen Familienverhältnissen mit viel Gewalt stammen, wagten es, sich uns anzuvertrauen. Ein Junge bat unsere Psychotherapeutin um ein Therapiegespräch wegen einerDepression. Ein anderer Junge mit körperlichen Einschränkungen wurde sichtlich selbständiger und gehörte so richtig dazu.
Gab es für Sie besonders einprägsame Momente?
Bei der Arbeit zum Thema „Vorurteile, Stereotype und Glaubenssätze“ fiel bei den meisten der Groschen. Sie konnten mit faszinierender Klarheit selbst erkennen, dass die Stereotype, die sie zunächst für wahr hielten, ihrem Leben in der Regel nicht dienlich sind und sie die Freiheit haben, sich für andere Werte zu entscheiden. Über die Zeit hinweg war klar wahrnehmbar, dass es den meisten mit jedem Workshop leichter fiel, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und in Worte zu fassen.
Gab es auch Herausforderungen?
Immer wieder saßen wir im Plenum und hatten keine Chance, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Einmal war bei Workshopbeginn niemand da, weil sie nach einer durchfeierten Nacht zu müde waren, um aufzustehen. Ich war oft berührt und erfüllt mit ihnen; dominierend war jedoch ein Gefühl von Trauer und Hilflosigkeit.
Warum?
Sie haben so einen schweren Start ins Leben durch den Kontext, in dem sie aufwachsen: Armut, Ausgrenzung, ein Elternhaus mit körperlicher und psychischer Gewalt und unglücklichen Beziehungen, Drogenmissbrauch, Mangel an Geborgenheit und Förderung.
Was braucht es, damit sich diese Jugendlichen zu resilienten Erwachsenen entwickeln können?
Es bräuchte einerseits sehr viel, damit sie sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln können, und wir können ihnen nur dieses bisschen geben. Und andererseits weiß ich, dass es manchmal nicht viel braucht, um das Herz zu stärken. Noch heute nährt mich der liebevolle Umgang eines Lehrers im Gymnasium. Unser pädagogisches Team ist sich einig: Ja! Es hat sich gelohnt! Und: Es braucht mehr solcher Angebote!