Vor fünf Jahren hat die UNESCO an Mur, Drau und Donau das weltweit erste Biosphärenreservat ausgewiesen, das sich über fünf Länder erstreckt: Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien. Im September 2026 lud der WWF Österreich Journalistinnen und Journalisten aus fünf Ländern zu einer Reise ein, um LIFE RESTORE for MDD (Mur-Drau-Donau) vorzustellen. Ein Projekt, das
Vor fünf Jahren hat die UNESCO an Mur, Drau und Donau das weltweit erste Biosphärenreservat ausgewiesen, das sich über fünf Länder erstreckt: Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien. Im September 2026 lud der WWF Österreich Journalistinnen und Journalisten aus fünf Ländern zu einer Reise ein, um LIFE RESTORE for MDD (Mur-Drau-Donau) vorzustellen. Ein Projekt, das zeigt, die Natur kennt keine Grenzen, sondern verbindet im gemeinsamen Kampf für Mutter Erde.
Vom 13. bis 17. September besuchte Danube connects gemeinsam mit Kolleginnen aus Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn Baustellen, Auwälder und Wiesen, auf denen das EU-Projekt LIFE RESTORE for MDD den Flüssen ein Stück ihrer alten Dynamik zurückgibt.
Das UNESCO-Biosphärenreservat Mur-Drau-Donau reicht über Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien. Es schützt Flüsse, Auwälder, Feuchtgebiete und den Lebensraum zahlreicher bedrohter Arten. Wegen seiner Ausdehnung und seines Naturschutzwerts trägt es den Beinamen „Amazonas Europas“.
Ausgerechnet die größten zusammenhängenden Auwälder des Donauraums sind jedoch in schlechtem Zustand. Begradigte Flüsse, intensive Forstwirtschaft, invasive Arten, ein verarmter Genpool und fehlende grenzüberschreitende Zusammenarbeit setzen ihnen zu. Genau hier setzt LIFE RESTORE for MDD an.
Das Prinzip ist einfach: Je gerader ein Fluss, desto schneller fließt das Wasser ab und desto weniger versickert ins Grundwasser. Kurven bremsen das Wasser und füllen die Grundwasserspeicher. Ziel des WWF ist es deshalb, den Flüssen so viel Dynamik zurückzugeben wie möglich.
Das Projekt läuft vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2028. 17 Partner aus allen fünf Ländern setzen es um, koordiniert vom WWF Österreich. Das Budget beträgt rund 20 Millionen Euro (20.024.000 Euro), 67 Prozent davon trägt das LIFE-Programm der Europäischen Union. Geplant sind Maßnahmen an 29 Standorten in 17 Natura-2000-Gebieten auf einer Fläche von 2.100 Quadratkilometern.
DIE ZIELE IN ZAHLEN:
- 336 Hektar Auwald werden wiederhergestellt.
- Auf rund 54 Kilometern werden Seitenarme wieder angebunden und Flussbetten aufgeweitet.
- 000 Kubikmeter Sediment werden mobilisiert.
- Internationale und regionale Zusammenarbeit soll rund eine Million Menschen erreichen.
STATION 1: Halbenrain, Steiermark – die Mur bekommt 450 Meter Platz
An der Mündung des Sulzbachs in der Gemeinde Halbenrain wird die Mur auf rund 450 Metern aufgeweitet. Die Bauarbeiten laufen von April bis Dezember 2026. Vertreterinnen und Vertreter des Landes Steiermark führten die Gruppe über die Baustelle, wo fleissig gebaggert wird.
Bisher hielt eine Ufersicherung den Fluss in seinem Bett. Nun wird die Ufersicherung auf etwa 450 Metern entfernt und als verdeckte Buhnen 30 bis 50 Meter ins Hinterland verlegt. Dort schützt sie angrenzende Grundstücke und einen geplanten Pflegeweg. Dazu kommen ein Strömungsteiler und eine Initialbuhne, die den Fluss in Bewegung bringen sollen.
Ab 1890 wurde die Mur in ihr heutiges Bett gepresst, um die Felder vor Hochwasser zu schützen. Vor 120 Jahren war sie hier noch 130 bis 150 Meter breit. Heute fehlen Sandbänke und Seitenarme, auch weil Wasserkraftwerke am Oberlauf den Fluss von seiner Aue abschneiden. Und dennoch, in Österreich sind neue Wasserkraftwerke weiterhin erlaubt.
Der Fluss soll sich künftig selbst formen dürfen. Kiesbänke, Kolke und Flachwasserzonen entstehen, wo die Mur wieder Material umlagert. Im Sulzbach selbst sorgen Wurzelstöcke und Wasserbausteine für neue Strukturen, Totholz ergänzt die Lebensräume.
Die Steiermark arbeitet seit 24 Jahren an der Mur-Renaturierung. Langfristig, über die nächsten 100 Jahre, soll der Fluss wieder Raum für seinen ursprünglichen Lauf bekommen. 43 Fischarten leben heute in der Mur, doch zum Laichen brauchen sie Strukturen wie Kiesbänke und Flachwasser. Auch Uferschwalben suchen hier Steilufer für ihre Nester.
DIE ZIELE für diesen Abschnitt:
- bessere Wasserverhältnisse für 4 Hektar Auwald
- eine naturnähere Gestalt auf 1 Hektar
- 000 Kubikmeter mobilisiertes Sediment
- ein ökologisch durchgängiger Sulzbach
Vor Baubeginn wurden Reptilien eingesammelt und umgesiedelt. Mögliche Fledermaus-Quartierbäume wurden verschlossen und Fledermauskästen aufgehängt. Die Maßnahme folgt dem Managementplan für das Natura-2000-Gebiet „Südoststeirisches Hügelland“. In der Planung wurden mehrere hydraulische Szenarien durchgerechnet, vom Ist-Zustand bis zur künftigen Entwicklung des Flusses.
STATION 2: Hrastje-Mota, Slowenien – ein Fluss, der sich eingegraben hat
Nur eine knappe Stunde Busfahrt weiter, bei Hrastje-Mota in der Gemeinde Radenci, zeigt sich, was die Regulierung angerichtet hat. Früher floss die Mur frei durch ihre breite Aue und verlegte immer wieder ihren Lauf. Heute ist ihre Dynamik auf einen schmalen Auwaldgürtel direkt am Ufer beschränkt.
Flussregulierungen und Wasserkraftwerke am Oberlauf halten Kies zurück. Die Mur transportiert weniger Geschiebe, gräbt sich tiefer ein, und der Grundwasserspiegel sinkt. Darunter leiden auch die Auwälder.
Dabei ist die Mur der größte frei fließende Fluss Sloweniens, auf slowenischem Gebiet steht kein Wasserkraftwerk. Begradigt wurde sie trotzdem. Der größte Teil der Renaturierungsarbeiten im Projekt findet in Slowenien statt. Neben den Ufern werden auch die Wälder selbst umgebaut, Seitenarme und Lebensraumtypen wiederhergestellt. Für das Gebiet wird außerdem ein Regionalpark als Schutzgebiet vorbereitet.
Die slowenische Wasserbehörde (Direkcija RS za vode) und das Institut der Republik Slowenien für Naturschutz (ZRSVN) stellten die Arbeiten vor. Seit Anfang August 2026 wird das Flussbett am linken Ufer aufgeweitet, nahe den Teichen beim Fischerhaus Gradišče. Der Abschnitt Hrastje-Mota 2 baut auf der ersten Aufweitung (Hrastje-Mota 1) aus dem Vorgängerprojekt lifelineMDD auf.
DIE MASSNAHMEN IM ÜBERBLICK:
- Bestehende Ufersicherung wird auf 320 Metern entfernt, dazu 130 Meter passive Ufersicherung.
- Eine neue passive Ufersicherung entsteht auf 470 Metern, 15 bis 85 Meter landeinwärts versetzt.
- Ein Ersatzweg ersetzt einen Teil des bisherigen Forstwegs.
- Gesamtfläche: 2,4 Hektar, geschätzte Kosten rund 153.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Das Flussbett wird breiter, und doch bleiben die Anwohner geschützt: Aus den Steinen der alten Uferbefestigung entsteht weiter hinten ein neuer Schutzwall. So schützt das Projekt Infrastruktur und Trinkwasser zugleich. „Wir machen die große Arbeit, aber die größte Arbeit macht die Mur selbst“, sagte ein Vertreter der slowenischen Wasserbehörde.
Die Fachleute erwarten mehr natürliche Flussdynamik, ein geringeres Hochwasserrisiko, steigende Grundwasserstände, besseres Trinkwasser und mehr Artenvielfalt. Das Gebiet gehört zu den Natura-2000-Gebieten Mura (SI5000010 und SI3000215) und seit 2021 zum fünfländrigen Biosphärenreservat.
Ein Fischer erinnert sich
Einer der Fischer, die beim Termin dabei waren, fischt seit mehr als 50 Jahren an der Mur. Vor 35 bis 40 Jahren, erzählt er, lebten hier noch viele verschiedene Fischarten, die Mur galt als der Fluss mit der größten Artenvielfalt an Fischen. Dann wurden Steinblöcke ins Ufer gelegt und das Flussbett verengt, damit das Wasser schneller abfließt. Viele Fische wanderten nach Österreich ab, und mit ihnen verschwanden auch andere Arten, die Tier- und Pflanzenwelt von vor 50 Jahren. Erst als in Österreich Kläranlagen gebaut wurden, kehrten viele Fischarten zurück.
Doch die Mur hatte sich inzwischen eingegraben, und mit dem niedrigeren Flussbett kam ein neues Problem: Der Kormoran hat sich hier niedergelassen. Auf fünf Kilometern Ufer habe man rund 1.000 tote Fische gefunden, die auf sein Konto zurückgehen.
Von der Renaturierung erwartet der Fischer nur Gutes. Weil der Fluss wieder breiter wird, werde sich der Lebensraum erneuern. Das bringe mehr Fische zurück und auch weitere Arten. In etwa fünf Jahren, schätzt er, werde man das sehen.
STATION 3: Ižakovci, Slowenien – Geburtstagsfest auf der Liebesinsel
Auf der Liebesinsel (Otok ljubezni) bei Ižakovci wurde am 14. September 2026 der Tag des Biosphärenreservats Mur gefeiert, zum fünften Jahrestag der UNESCO-Ausweisung. Organisiert hatte ihn das slowenische Naturschutzinstitut ZRSVN im Rahmen von LIFE RESTORE for MDD, gemeinsam mit dem Institut REVIVO.
Am Vormittag gehörte die Insel den Kindern. Rund 160 Fünftklässlerinnen und Fünftklässler aus Grundschulen der Umgebung erkundeten mit 15 Mentorinnen und Mentoren Wald und Wasser an der Mur, ihre Tier- und Pflanzenarten. Beteiligt waren unter anderem Fischer- und Bootsvereine, Forst- und Wasserbehörden, die Schmetterlingsgesellschaft und die slowenische Vogelschutzorganisation.
Der Tag wird jedes Jahr gefeiert, die Aktivitäten dauern bis Mitternacht. In Europa seien nur noch rund 5 Prozent der Flüsse lebendig, hieß es in den Reden, umso wertvoller sei die Mur. 16 Gemeinden sind in das Projekt eingebunden.
Der „Mur-Drache“ kehrt zurück
Höhepunkt für die Journalistinnen und Journalisten war das Aussetzen junger Sterlets. Der Sterlet gehört zur Familie der Störe, einer stammesgeschichtlich uralten Fischgruppe, und ist im Donaueinzugsgebiet bedroht. Wegen seines urtümlichen Aussehens wird er vor Ort „Mur-Drache“ genannt.
REVIVO setzte die Fische im Rahmen des Projekts LIFE-Boat4Sturgeon aus. Langfristig soll im slowenischen Abschnitt der Mur wieder eine Sterlet-Population entstehen, die sich selbst erhält.
Das Ziel des Projekts. Störe erkennen das Gewässer, in dem sie geboren wurden, und kehren zum Laichen dorthin zurück. Daher wurde sie im Wasser der Mur gezogen.
Für uns von danube connects war dieser Moment der Höhepunkt der ganzen Reise: Wir durften selbst einen Babystör aussetzen. Wir sind große Fans dieser Fische, die in Europa so selten geworden sind. Ein so kleines Tier in der Hand zu halten, es ins Wasser gleiten zu lassen und zuzusehen, wie es in die Weite schwimmt, hat uns tief beeindruckt.
Wir wünschen dem kleinen Wasserdrachen, dass er in eingen Jahren zurückkehrt und hier laicht, damit der Bestand wächst und die Mur wieder zu dem wird, was sie war: ein natürlicher Lebensraum für Störe.
Auwald mit Zukunft
Nach einem kurzen Fußweg von der Liebesinsel zeigten Vertreter der slowenischen Staatsforste (SiDG), wie sie den Auwald umbauen. Nicht heimische und invasive Bäume wie Hybridpappel und Eschen-Ahorn werden nach und nach durch typische Arten ersetzt. In der Weichholzaue sind das vor allem Silberweide, Schwarzpappel, Silberpappel und Schwarzerle. In der Hartholzaue sind es Stieleiche, Hainbuche und Vogelkirsche.
Die Setzlinge stammen aus zertifizierten Baumschulen. Wuchshüllen oder Zäune schützen sie vor Wild, gemäht wird ein- bis zweimal im Jahr. Insgesamt sollen 10 Hektar Weichholzaue und 9 Hektar Hartholzaue wiederhergestellt werden, verteilt auf Standorte zwischen Ižakovci, Mota, Murska šuma und Razkrižje.
Ungewöhnlich ist ein Versuch mit Schweinen. Sie sollen den Boden so auflockern, dass Eicheln besser keimen und junge Eichen natürlich nachwachsen.
Wie dringend das ist, zeigen die Eichen selbst: Viele sind abgestorben, weil die Aue zu trocken geworden ist. Wichtig sei, mit dem Wald auch seine Baumstrukturen als Lebensraum zurückzubringen.
STATION 4: Donje Međimurje, Kroatien – Wiesen für zwei seltene Bläulinge
Am zweiten Tag führte die Reise nach Kroatien, in die Gegend von Hodošan. Im Natura-2000-Gebiet Donje Međimurje, im östlichen Flachland des Komitats Međimurje zwischen den Bächen Kopanec und Trnava, geht es nicht um Wald, sondern um Wiesen. Das Gebiet gehört zum Regionalpark Mur-Drau.
Monika Cindrić und Ivana Horvat von der Naturschutzeinrichtung Međimurska priroda stellten das Vorhaben vor, das inzwischen im dritten Jahr läuft. Im Mittelpunkt stehen zwei vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge: der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius und Phengaris nausithous). In Kroatien kommen sie nur noch an vier Stellen vor.
Ihr Leben hängt an einer einzigen Pflanze, dem Großen Wiesenknopf, und an Ameisen.Sie sind der Kuckuck unter den Insekten. Die Raupen täuschen Ameisen, werden von ihnen ins Nest getragen und dort versorgt.
Aufgefallen ist die Gefahr der Ausrottung, weil ein Kenner bemerkte, dass nur noch ein einziges Vorkommen übrig war. Früher hielten die Menschen die Wiesen ganz selbstverständlich offen: Sie mähten für Heu, ließen Vieh weiden und sammelten Holz für den Winter. Heute werden Wiesen umgepflügt oder wachsen mit Büschen und invasiven Arten zu.
Die Naturschutzeinrichtung kauft deshalb selbst Wiesen auf, insgesamt 4 Hektar. Sie entfernt Bäume, Sträucher und invasive Arten, sät auf umgepflügten Flächen wieder Wiesensamen aus und mäht zum Teil per Hand, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Schmetterlinge. Einmal im Jahr müssen die Flächen von Büschen befreit werden. Bis September 2028 soll ein Mosaik aus Flachland-Mähwiesen und Hecken entstehen, mit neuen Wanderkorridoren für die Falter. Hier wächst auch die streng geschützte Schachblume.
Auch hier durften wir mit anpacken und Grassamen aussäen. Wir hoffen, dass daraus irgendwann ein Lebensraum wächst für die beiden Schmetterlinge, die hier ihr Zuhause gefunden haben und die man mit allen Mitteln zu retten versucht.
Der Schmetterling sei nur ein Aushängeschild, verrieten die beiden Naturschützerinnen. Natura 2000 schütze hier viele weitere Insekten- und Tierarten.
Zwischenstopp: das Steilufer bei Libanovec – im Dorf der Uferschwalben
Am Steilufer von Libanovec darf die Drau fließen, wie sie will: Auf diesem Abschnitt gibt es weder Wasserkraftwerke noch Dämme. „Der Fluss ist ein lebender Organismus“, sagte Arno Mohl vom WWF Österreich. In den 1980er-Jahren habe man versucht, ihn zu kontrollieren, das habe nicht funktioniert.
Auf den Sandbänken brütet der Flussregenpfeifer. Seine Eier sind kaum zu sehen, deshalb sollte man die Bänke nicht betreten. Auch für Fische ist der Abschnitt ein Paradies. Berühmt ist er aber für die Uferschwalbe, die kleinste Schwalbenart hier. Die Kolonie am Steilufer von Libanovec ist eine der größten am kroatischen Abschnitt der Drau. In guten Jahren brüten hier über 1.000 Paare. Uferschwalben brauchen frei fließende Flüsse, deren Ufer in den Kurven abbrechen, denn nur so können sie jedes Jahr neue Brutröhren in den Sand graben.
Libanovec gehört zur Gemeinde Đelekovec. Seit Juni 2024 trägt es den Ehrentitel „Dorf der Uferschwalben“, als erstes in Kroatien. Gestützt hat das das Projekt DRAVA LIFE, angestoßen hatte es die frühere Bürgermeisterin Štefica Sirutka. Die Gemeinde einigte sich mit der Landwirtin Jasna Puhar (OPG Puhar), die das Land neben der Kolonie bewirtschaftet. Das Ufer darf auf ihrem Acker natürlich abbrechen, im Gegenzug wurde ihre Pacht gesenkt.
Den Titel nahm Bürgermeisterin Lara Samošćanec entgegen. Sie ist die jüngste Bürgermeisterin Kroatiens, erstmals gewählt mit 22 Jahren. „Der kleine Vogel ist unsere Inspiration“, sagte sie. Ausstellungen und Veranstaltungen drehen sich um die Schwalbe, die Natur und Menschen verbindet.
Diese junge Bürgermeisterin kennenzulernen, war eine der schönsten Begegnungen der Reise. Mit großem Elan schützt sie die Uferschwalben. Sie öffnet den Ort für Besucher, die sich mit der Natur verbinden wollen, achtet aber darauf, dass niemand die Vögel in ihrer Lebensweise stört.
Sie zeigt, was es braucht: junge Menschen mit neuen Ideen, und mehr Frauen in Verantwortung. Von Dorfgemeinschaften, wie dieser, die seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur leben, können wir viel lernen.
STATION 5: Zusammenfluss von Mur und Drau
Bei Legrad im Komitat Koprivnica-Križevci, direkt an der Grenze zu Ungarn, fließen Mur und Drau zusammen. Die Mur ist braun, die Drau grün. Es war faszinierend, das zu sehen. Und wir hatten Glück: Die Sonne schien, so war der Kontrast besonders gut zu erkennen.
Schon die Römer haben beide Flüsse reguliert, große Steine zeugen noch davon. Heute ist der Zusammenfluss ein national und international geschütztes Gebiet: Er liegt im Regionalpark Mur-Drau, im Ornithologischen Reservat Veliki Pažut und im Biosphärenreservat. Das Komitat hat 15 Natura-2000-Gebiete. Seine Aufgabe: schützen, verwalten, bekannt machen. Die Lage an der Grenze sei ein Vorteil, denn Schutz brauche immer beide Seiten.
Im Projekt geht es hier um die heimischen Auwälder und um invasive Pflanzen. Zunächst wurden die eingeschleppten Arten im ganzen Gebiet kartiert. Danach wurden 10 vorrangige Flächen ausgewählt, auf denen sie seit Juli 2025 entfernt werden. Bis September 2028 sollen so rund 20 Hektar Weichholzaue in gutem Zustand gehalten werden.
Die Hauptgegner sind Gewöhnlicher Bastardindigo, Goldruten, Beifußblättriges Traubenkraut und Japanischer Staudenknöterich. Sie werden per Hand ausgerissen, gemäht und zurückgeschnitten oder mit dem Traktor gemulcht. Eine Folgestudie hat für jede Art und jede Fläche die passende Methode und den richtigen Zeitpunkt festgelegt. Sie schlägt auch vor, die Öffentlichkeit über die Folgen invasiver Arten zu informieren.
Warum Flüsse unseren Schutz brauchen
danube connects beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Flüssen, denn kaum ein Lebensraum ist so bedroht. Laut WWF Living Planet Report 2024 sind die beobachteten Bestände von Süßwasserarten seit 1970 im Schnitt um 85 Prozent geschrumpft. Weltweit fließen nur noch 37 Prozent der längsten Flüsse frei, die übrigen sind durch Dämme und Stauseen zerschnitten.
Flüsse müssen deshalb besonders geschützt werden, wegen ihrer Tier- und Pflanzenwelt, aber auch, weil wir Menschen ohne Wasser nicht leben können. Europa ist reich an Flüssen. Die, die wir noch haben, müssen wir schützen, respektieren und bewahren, nicht nur für unsere Generation, sondern auch für die nächsten.
Das waren die ersten Tage unserer Reise durch den ‚Amazonas Europas‘. In Teil 2 geht es weiter an die Donau.
Mirella Sidro,
Sarajevo


















