Brücken schlagen für den Wiederaufbau

Brücken schlagen für den Wiederaufbau

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges unterstützen Ulm und Neu-Ulm ihre ukrainische Partnerstadt auf vielfältige Weise: Die offiziell im Frühjahr 2023 gestartete Partnerschaft konzentrierte sich zunächst stark auf humanitäre Hilfe und Sachspenden; zunehmend verschiebt sie sich jedoch zu nachhaltigeren und institutionellen Formen der Kooperation. Eine Delegation aus Bilhorod-Dnistrovskyi besuchte Ende Januar kommunale Einrichtungen in Ulm/Neu-Ulm, die

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges unterstützen Ulm und Neu-Ulm ihre ukrainische Partnerstadt auf vielfältige Weise: Die offiziell im Frühjahr 2023 gestartete Partnerschaft konzentrierte sich zunächst stark auf humanitäre Hilfe und Sachspenden; zunehmend verschiebt sie sich jedoch zu nachhaltigeren und institutionellen Formen der Kooperation.

Eine Delegation aus Bilhorod-Dnistrovskyi besuchte Ende Januar kommunale Einrichtungen in Ulm/Neu-Ulm, die für städtische Infrastruktur wie Wärme, Wasser und Abfall-entsorgung sorgen. Laut einer Pressemitteilung der Stadt Ulm markiert die Studienreise einen wichtigen Schritt in den Beziehungen: „den Übergang von unmittelbarer Solidarität hin zu mittelfristigem Kapazitätsaufbau und technischer Zusammenarbeit.“

Von Solidarität zu konkreten Projekten
Die Studienreise war Teil eines Projekts der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung und gehört zur Initiative „Green industrial recovery through municipality-based development in Ukraine“, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird. Das Teilprojekt trägt den Titel „Empowering communities: innovative water and energy solutions for the Bilhorod-Dnistrovskyi community“.

Auf dem Programm standen eine Führung durch die thermische Abfallverwertung im Müllheizkraftwerk Donautal, Besuche von Biomasse- und Fernwärmeanlagen sowie eine Besichtigung der Kläranlage Steinhäule in Neu-Ulm. Bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm informierte sich die Delegation über Wasserkraft und Trinkwasseraufbereitung, bei den Entsorgungsbetrieben Ulm über Abfallwirtschaft und Kanalnetz. Hinzu kamen eine Visite einer Biogas-Fachmesse sowie Austauschrunden mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft.
Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher erklärte, der Besuch habe gezeigt, wie sehr beide Städte voneinander lernen können. Zugleich habe ihn die Stärke und Entschlossenheit der ukrainischen Partner beeindruckt. Auch Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger bezeichnete die Solidaritätspartnerschaft als „belastbar, lernfähig und zukunftsorientiert“.

Donaubüro als Antreiber
Die Delegation lernte nicht nur technische Anlagen, sondern auch regionale Netzwerke kennen, was auf die Einbettung der Partnerschaft in den Donauraum verweist. Das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm, das seit 2002 Projekte entlang der Donau koordiniert, organisierte auch den Besuch. Direktor Sebastian Rihm betonte, Städtepartnerschaften seien dann belastbar, wenn über symbolische Solidarität hinaus tragfähige Fachnetzwerke entstehen. Genau darum gehe es derzeit: Wissenstransfer zu organisieren – realistisch, langfristig und auf Augenhöhe.
Die Gespräche und die Partnerschaft mit Bilhorod-Dnistrovskyi stehen damit exemplarisch für eine neue Phase kommunaler Zusammenarbeit im Donauraum: weniger repräsentativ, stärker fachlich – und politisch relevanter denn je.

Daniel Hirsch,
Budapest

 

INFO: Wie das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm mitteilte, übergaben die Städte im April ein barrierefreies Transportfahrzeug an ihreukrainische Partnerstadt, finanziert von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem BMZ. Organisation und Überführung erfolgten mit Hilfe des Vereins Ermstal hilft e. V., dessen Engagement entscheidend war. Der Sprinter soll vor allem Menschen mit Einschränkungen sowie soziale und medizinische Dienste vor Ort unterstützen.

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