DYON bringt Bosnien-Herzegowina und The Länd zusammen

DYON bringt Bosnien-Herzegowina und The Länd zusammen

Drei Tage lang wurde das Themenzelt 2 beim Internationalen Donaufest in Ulm zum Ort der Begegnung zwischen Baden-Württemberg und Bosnien-Herzegowina. Es wurde gesponnen, genascht, gestaunt. Es gibt Momente, in denen ein Zelt mehr ist als ein Zelt. Zum Beispiel dann, wenn eine Besucherin aus Ulm zum ersten Mal eine Handspindel hält, angeleitet von einer Frau

Drei Tage lang wurde das Themenzelt 2 beim Internationalen Donaufest in Ulm zum Ort der Begegnung zwischen Baden-Württemberg und Bosnien-Herzegowina. Es wurde gesponnen, genascht, gestaunt. Es gibt Momente, in denen ein Zelt mehr ist als ein Zelt. Zum Beispiel dann, wenn eine Besucherin aus Ulm zum ersten Mal eine Handspindel hält, angeleitet von einer Frau in keltischer Gewandung – und nebenan Fotografien von der Donau leuchten, während der Duft von Rahat Lokum mit Rose und Nüssen durch die Luft zieht. Drei Tage lang, vom 3. bis 5. Juli, war das Themenzelt 2 beim 14. Internationalen Donaufest genau das: ein Ort, an dem Baden-Württemberg und Bosnien-Herzegowina einander die Hand reichten.

„DYON meets Bosnia-Herzegovina and The Länd“ – so hieß das Programm, hinter dem ein eingespieltes Trio steht: danube-connects-Chefredakteurin Sabine Geller, die deutsch-bosnische Journalistin Mirella Sidro und Stefan Barth, Direktor der vor 30 Jahren von Jürgen Klinsmann gegründeten Kinderhilfsorganisation Agapedia. Gemeinsam haben die drei bereits zwei DYON Boot Camps auf die Beine gestellt: das erste 2025 in Bosnien-Herzegowina, das zweite in diesem Mai in Baden-Württemberg an der Donau – dort, wo an der Heuneburg einst die keltische Kultur ihren Anfang nahm.

Und die Kelten waren es auch, die in Ulm für einen der schönsten Momente sorgten. Mitglieder der Keltengruppe Heuneburg zeigten im Zelt, wie vor Jahrhunderten Wolle gesponnen wurde – und die Gäste ließen sich nicht zweimal bitten. Immer wieder griffen Besucherinnen und Besucher selbst zur Spindel, konzentriert, lachend, überrascht, wie viel Geschick in diesem uralten Handwerk steckt. Was viele dabei zum ersten Mal erfuhren: Diese Technik ist keine museale Erinnerung. In Lukomir etwa, dem höchstgelegenen und ältesten Bergdorf Bosnien-Herzegowinas, spinnen die Frauen bis heute so ihre Wolle.

Doch warum gehört Bosnien-Herzegowina zur Donauregion, obwohl die Donau das Land nie berührt? Die Antwort ist fliessenden Charakters: Ihre Flüsse Una, Sana, Vrbas, Bosna und Drina fliessen in die Save, welche in die Donau münden und so den zweitgrößten Strom Europas mitspeisen. Ohne das Wasser Bosnien-Herzegowinas gäbe es die Donau, wie wir sie kennen, nicht.

Dass genau dieser Gedanke auch über den Köpfen der Festbesucher wehte, ist kein Zufall: Die 666 Fahnen, die in diesem Jahr die Donauufer säumen – in Handarbeit gefertigt im Art Quarter Budapest, inspiriert von Märchen und Legenden aller Donauländer, darunter auch bosnischen –, erzählen dieselbe Geschichte. „Der Fluss ist das Ergebnis eines weiten Verbindungssystems“, schreiben die Künstler in ihrem Konzept. Und das spiegelt sich wider: Die Donau gilt als der internationalste Fluss der Welt, durchfließt er 10 Länder und und umfasst weite mehr im Einzugsgebiet.

Die Gäste kamen, staunten – und blieben. Bei Lokum aus Bosnien und Wibele aus dem Ländle kamen die Gespräche wie von selbst. Die Kleinsten entdeckten Bosnien-Herzegowina mit Mal-Landkarten zum MItnehmen, die die Sarajevoer Organisation Mali Ambasadori (dt. die Kleinen Botschafter) eigens ins Deutsche übersetzt hatte. Und wer Glück hatte, gewann sogar Kunst: Eine der ausgestellten Fotografien von Dominic Lars Breitbarth, dessen Aufnahmen aus der Donauregion und aus Ulm dem Zelt seinen stimmungsvollen Rahmen gaben, wurde verlost. Der Gewinner, ein Ulmer, strahlte: ein „Kunstwerk aus seiner Heimatstadt“.

Manche Begegnungen aber gingen tiefer. Da war ein Ehepaar, das vor zehn Jahren beschloss, statt in die USA mit ihren vier Kindern lieber durch Europa zu reisen – und dabei alle Balkanländer kennenlernte. Als sie im Zelt den Film über DYON in Baden-Württemberg und Bosnien-Herzegowina sah, kam sie auf die Idee: Die Kinder sollen beim nächsten Boot Camp dabei sein.

Auch die Literatur schlug ihre Brücke: Im Stadthaus Ulm las der bosnisch-herzegowinische Schriftsteller Faruk Šehić, Träger des Literaturpreises der Europäischen Union, gemeinsam mit der österreichischen Autorin Franziska Füchsl unter dem Titel „Wovon wir reden, wenn wir von Flüssen reden”. Sein Fluß Una und ihre Mühl sind beide unterwegs zur Donau. Zwei Räder, die sich durch einen Fluß treffen, auch wenn sie nicht nebeneinander liegen.

Poetisch wurde es auch an den Festwochenenden: Am Samstag und Sonntag luden die rumäniendeutsche Dichterin S. Katharina Eismann und der Ulmer Musiker Bernd Weltin zu einem poetisch-historischen Spaziergang ein – eine kurzweilige Tour mit Gedichten, Anekdoten, Legenden und Geschichte(n) durch das Fischerviertel, um den Spuren der Donauschwaben, zwischen heute und gestern zu folgen. Einst zogen sie von Ulm aus donauabwärts in eine ungewisse Zukunft – auch ihre Geschichte ist eine Geschichte des Flusses, der verbindet.

Hoher Besuch kam ebenfalls vorbei: Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher, Erster Bürgermeister Martin Bendel, der ungarische Politiker Péter Márki-Zay, sowie Damir Arnaut, der Botschafter von Bosnien und Herzegowina, ließen sich durchs Zelt führen.

Als am Sonntagabend die letzten Gäste gingen, blieb das Gefühl, dass hier etwas weiterfließen wird. Im September geht es zum nächsten DYON Boot Camp nach Bulgarien. Der Faden, in Ulm weitergesponnen, reißt nicht ab.

Ermöglicht wurde die Präsentation durch die Baden-Württemberg Stiftung, das Staatsministerium Baden-Württemberg, und das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm.

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