Fahnen für das diesjährige internationale Donaufest, welches alle zwei Jahre in Ulm stattfindet, werden im art quarter Budapest an der schönen Donau in Handarbeit von Künstlern hergestellt. Wir haben die Kreativschmiede besucht. János Borsos ist der Designer. Lilla Lőrinc managt das Projekt. Eszter Nagy und Marcell Horváth nähen und malen. Alle vier kommen aus verschiedenen
Fahnen für das diesjährige internationale Donaufest, welches alle zwei Jahre in Ulm stattfindet, werden im art quarter Budapest an der schönen Donau in Handarbeit von Künstlern hergestellt. Wir haben die Kreativschmiede besucht.
János Borsos ist der Designer. Lilla Lőrinc managt das Projekt. Eszter Nagy und Marcell Horváth nähen und malen. Alle vier kommen aus verschiedenen Ecken Ungarns und Rumäniens und arbeiten heute im Art Quarter
Budapest, dem aqb. Seit November tüfteln sie an einem Auftrag, der in seiner Größenordnung selbst für sie neu ist: Die Kreation von 666 Fahnen für das internationale Donaufest in Ulm, zuzüglich einiger Dutzend Exemplare als Reserve – für den Fall, dass einige verloren gehen, beschädigt oder gestohlen werden.
„Wir haben noch nie etwas in dieser Größenordnung produziert“, sagen sie. Airbrush auf Textil – eine Technik, die alle vier erst erlernen mussten. Routinen wurden erprobt, Stoffe getestet, Zeitpläne angepasst. Jetzt, Monate später, läuft es. Ende Mai soll alles fertig sein. „Eigentlich war es Wolfgang, der uns auf diese Möglichkeit angesprochen hat. Wir kennen uns schon lange und haben für das aqb bereits viele Projekte zusammen gemacht. Wir fühlen uns sehr glücklich, sein Vertrauen zu haben”, sagt Borsos.
Das art quarter Budapest, kurz aqb liegt direkt an der Donau. Die ehemalige Brauerei wurde vom Bonner Wolfgang Bartesch vor gut zwanzig Jahren aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Heute arbeiten hier rund 40 Künstlerinnen und Künstler: Maler, Bildhauer, Musiker, Tänzer, Keramiker. Keine Auflagen, keine Einschränkungen. Dazu ein Artist-in-Residence-Programm, das internationale Gäste mit der lokalen Szene vernetzt – einzigartig nicht nur in Ungarn, vielleicht sogar in ganz Mittel- und Osteuropa.
Doch das aqb ist mehr als nur ein Atelier. Es duftet nach frisch gebackenem Brot aus der hauseigenen Bäckerei. In einem neu eröffneten Wirtshaus – entworfen von einem jungen Architekten aus Bayern, der hier seine Erasmus+-Zeit verbrachte – liegen echte bayerische Brezen auf den Tischen. Hoch oben an der Fassade brütet ein Wanderfalke in einem eigens gebauten Häuschen. Und demnächst wird hier wieder Bier gebraut, ganz wie einst.
Und an diesem einzigartigen Ort entstehen Fahnen mit einzigartigen Motiven, inspiriert durch Wasser und Flüsse. So bringen die KünstlerInnen Legenden aus allen Ländern entlang des Stroms auf den Stoff – beidseitig – in Handarbeit. Ihrer Meinung nach bewegt sich das Wasser über Grenzen hinweg und verbindet so Orte, die politisch oder kulturell weit voneinander entfernt sein mögen: „Die Donau lässt sich nicht allein als Linie des Flusses verstehen, sondern als ein weiteres Beziehungssystem, das sie trägt. Dies spiegelt auch ein Verständnis von Identität und kultureller Erfahrung wider, das durch Verbindungen und gegenseitige Einflüsse geprägt ist – und nicht durch feste Grenzen”, erklären die KünstlerInnen.
Was sie am meisten freut? „Wenn wir alle Fahnen an der Donau in Ulm sehen!“ Nach dem Fest stehen die Fahnen zum Verkauf. Eine tolle Gelegenheit, sich eine der schönsten Legenden des Donauraums an die Wand zu hängen.
Mirella Sidro,
Sarajevo


















